PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie)

 

PSSM ist eine auf einem Gendefekt beruhende, folglich unheilbare Stoffwechselkrankheit bei Pferden die in unterschiedlichen Schweregraden vorkommen kann. Und ja, ich nenne es Gendefekt auch wenn es natürlich im engeren Sinne eine Genmutation ist, da diese das Pferd eben nicht verbessert. Es handelt sich dabei um eine Glykogen-Speicher-Krankheit, die in verschiedenen, oft stark bemuskelten Rassen wie z.b. bei Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas, aber auch bei Kaltblütern und Warmblütern verbreitet ist. Stark vereinfacht kann man sagen daß bei PSSM der Zuckerstoffwechsel in den Muskelzellen gestört ist, welcher zu einer degenerativen Muskelerkrankung führt. Dies beinhaltet u.a. klinische Symptome wie

 

  • Muskelabbau,
  • Muskelzittern
  • wechselnde Lahmheiten
  • Schwitzen
  • reheähnliche Symptome
  • Abmagerung
  • Krampfkoliken

 

Oft aber entstehen diese Anzeichen auch bei Pferden mit PSSM Mutation erst dann, wenn das Pferd gemessen an seiner Arbeitsleistung zu reichhaltig gefüttert wird.

 

Es gibt zwei Arten von PSSM: Typ 1 und Typ 2. Typ 1 lässt sich durch einen Gentest feststellen und betrifft Prozent 90%  aller PSSM Fälle, Typ 2 ist bisher nur durch eine Muskelbiopsie feststellbar.

 

Hier soll es im folgenden nur um den PSSM Typ1 gehen der sich durch einen Genstest nachweisen lässt.

 

Laut Laboklin sind mehr als die Hälfte aller Kaltblutpferde von PSSM1 betroffen.

 

PSSM bei Kaltblütern

PSSM1 wird dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits ein mischerbig betroffenes Pferd (n/pssm) erkranken kann. Ist ein Pferd reinerbig in dieser Mutation (pssm/pssm), nehmen die Symptome bei Erkrankung zu.

 

Vererbung von PSSM1

Hier ein Artikel der "starken Pferde" (2/14) zu PSSM:

 

 

... und ein weiterer von März 2018:

 


In der Norikerzucht wurde bereits auf dieTatsache reagiert daß etwa ein Drittel aller Noriker von PSSM1 betroffen ist: Hengste müssen ihren PSSM1 Status ausweisen und reinerbige Hengste werden bis auf weiteres nicht zur Zucht zugelassen. So wird eine Verminderung der Verbreitung dieses Gendefektes in der Zuchtpopulation ohne dabei wertvolles genetisches Material zu verlieren angestrebt. Im Moment kommt eine Diskussion um PSSM1 auch in der Schwarzwälderzucht in Gang die jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Ein Test auf PSSM1 ist (noch) keine Pflicht für Zuchttiere, erste Züchter haben allerdings bereits reagiert und ihre Tiere testen lassen.

 

Wir haben uns dennoch, auch um selbst Gewissheit zu haben wie es in diesem Punkt um unsere Pferde steht, zu einer Testung fast aller unserer Pferde entschlossen. Daher wissen wir nun, daß diese keine Träger der PSSM1 Mutation sind, unsere Zuchtstuten können diese Mutation also auch nicht weitervererben. Auch unsere Nachwuchsstute Rowena ist PSSM frei.

 

 

Leider gibt uns das Wissen daß unsere Stuten PSSM frei sind noch keine Garantie auf ebenfalls gesunde Fohlen, wenn wir sie mit Hengsten anpaaren deren PSSM Status uns unbekannt ist. Mit diesen sind für uns freie, aber eben auch einfach PSSM betroffene Fohlen möglich. Alles was wir derzeit von einer Verpaarung wissen ist, daß unsere Fohlen "nur" n/pssm werden können, weil unsere Stuten kein betroffenes Allel mitgeben können. Vom Supergau pssm/pssm bleiben wir also sicher verschont.

 

Es gibt mittlerweile zwar ganz wenige, frei getestete Hengste und dieser Stelle möchte ich zuerst den Besitzern dieser Hengste danken die sich mit dieser Testung gegen den Strom gestellt haben. Einfach war das sicher nicht.  Nichts ist schwerer als zu einer nicht gerade beliebten, eigenen Meinung zu stehen und diese auch  öffentlich zu vertreten, wenn es kaum ein anderer tut. Auch wenn es derzeit noch keine Einigkeit im weiteren Vorgehen gegen PSSM gibt, in einem Punkt scheint traurige Einigkeit erkennbar, nämlich in der Testverweigerung der allermeisten Hengsthalter die scheinbar das Problem weiter ignorieren wollen und dabei darauf hoffen, dieser "PSSM Hype" würde so schnell wieder verpuffen wie er aufgeflackert ist. Und hier nur als kleine Randbemerkung: Das wird er nicht, darauf haben schon andere Rassen in der Vergangenheit vergeblich gehofft.

 

Wir persönlich sind nicht weiter bereit das Risiko PSSM betroffener Fohlen einzugehen. Auch wenn ein Pferd mit dem Status n/pssm bei sinnvoller Haltung und Fütterung lange symptomfrei bleiben kann fällt es uns doch schwer einzusehen überhaupt ein Risiko eingehen zu müssen obwohl unsere Stuten glücklicherweise alle PSSM frei sind, nur weil die Hengsthalter nicht testen lassen wollen.

 

Da wir aber für die Zukunft nicht hinnehmen wollen bei jedem selbst gezogenen Fohlen immer wieder erst nach der Geburt den PSSM Test abwarten zu müssen, habe ich zusammen mit zwei sehr netten und engagierten Mitstreiterinnen eine Facebookgruppe ins Leben gerufen, in der wir Testergebnisse sammeln und eine allererste Datenbank pflegen, in der wir die Ergebnisse vermerken und auch erste Rückschlüsse auf die Vererbung der Hengste ziehen können. Mittlerweile konnten wir knapp 70 Testergebnisse sammeln, eine wirklich erfreuliche Anzahl!

 

Wir sehen grundlegend eine Gefahr darin ein betroffenes Fohlen verkaufen zu müssen: Dieses braucht nicht nur einen wunderbaren Lebensplatz wie jedes Fohlen, sondern auch umsichtige Besitzer die sich ein Leben lang gewissenhaft mit seiner Haltung und Fütterung auseinandersetzen wollen. Diesen schwer zu findenden Menschen muss man vor dem Kauf dann auch erst über PSSM als Erkrankung aufklären und dabei darauf hoffen, daß sie nicht zu dem Entschluss kommen mit einem gesunden Fohlen eines anderen Züchters wäre offenbar der Ärger kleiner. Offenheit in dieser Beziehung ist für uns nicht nur eine Frage des Vertrauensverhältnisses zwischen uns und unseren Fohlenkäufern, sondern PSSM könnte zudem als angeborene Genkrankheit auch als Gewährsmangel ausgelegt werden- mit allen rechtlichen Konsequenzen. Da PSSM eine Genkrankheit ist die ab Geburt vorliegt und den Gebrauch des Pferdes als Reit- Kutsch- oder Zuchtpferd einschränkt braucht gar nicht bewiesen werden das sie schon zum Verkaufszeitpunkt vorlag- etwas anderes ist ja gar nicht möglich. Damit kann bis zu zwei Jahre nach dem Kauf auf Kaufpreisminderung bestanden oder ganz vom Kaufvertrag zurückgetreten werden. Sowas braucht kein Mensch. Wir auch nicht!

 

Wir möchten ausserdem auch keine betroffene Nachwuchsstute ziehen. Wie auch immer man in Zukunft mit dem Thema PSSM in der Schwarzwälderzucht umgehen wird- nur mit einer freien Stute wird man auch die freie Hengstwahl haben. Und die ist uns wichtig.

 

Gesundheit sollte in jeder Zucht als Zuchtziel ganz vorne stehen. Kein äusseres Merkmal und sei es noch so schön, kein Zuchtziel und sei es noch so ehrenhaft rechtfertigt ein krankes und dabei leidendes Tier.

 

Wir hoffen inständig darauf daß es bald ein Umdenken in der Schwarzwälderzucht geben wird. Bis dahin werden wir zur Not solange die Zucht einstellen, bis es getestete Hengste in der Besamung oder in erreichbarer Entfernung gibt, die neben ihrer PSSM Freiheit auch in allen anderen Punkten zu unseren Stuten passen.